Abschiedsbrief73

Fresnes, le 21 février 1944

Ma Chère Mélinée, ma petite orpheline bien-aimée,

Dans quelques heures, je ne serai plus de ce monde. Nous allons être fusillés cet après-midi à 15 heures. Cela m'arrive comme un accident dans ma vie, je n'y crois pas mais pourtant je sais que je ne te verrai plus jamais.

Que puis-je t'écrire? Tous est confus en moi et bien clair en même temps.

Je m'étais engagé dans l'Armée de Libération en soldat volontaire et je meurs à doux doigts de la Victoire et du but. Bonheur à ceux qui vont nous survivre et goûter la douceur de la Liberté et de la Paix de demain. Je suis sûr que le peuple français et tous les combattents de la Liberté sauront honorer notre mémoire dignement. Au moment de mourir, je proclame que je n'ai aucune haine contre le peupe allemand et contre qui que ce soit, chacun aura ce qu'il méritera comme châtiment et comme récompense. Le peuple allemand et tous les autres peuples vivront en paix et en fraternité après la guerre qui ne durera plus longtemps. Bonheur à tous... J'ai un regret profond de ne t'avoir pas rendue heureuse, j'aurais bien voulu avoir un enfant de toi, comme tu le voulais toujours. Je te prie donc de te marier après la guerre, sans faute, et d'avoir un enfant pour mon bonheur, et pour accomplir ma dernière volonté, marie-toi avec quelqu'un qui puisse te rendre heureuse. Tous mes biens et tous mes affaires je les lègue à toi, à ta soeur et à mes neveux. Après la guerre tu pourras faire valoir ton droit de pension de guerre en tant que ma femme, car je meurs en soldat régulier de l'armée française de la libération.

Avec l'aide des amis qui voudront bien m'honorer, tu feras éditer mes poèmes et mes écrits qui valent d'être lus. Tu apporteras mes souvenirs si possible à mes parents en Arménie. Je mourrai avec mes 23 camarades tout à l'heure avec le courage et la sérénité d'un homme qui a la conscience bien tranquille, car personnellement, je n'ai fait de mal à personne et si je l'ai fait, je l'ai fait sans haine. Aujourd'hui, il y a du soleil. C'est en regardent le soleil et la belle nature que j'ai tant aimée que je dirai adieu à la vie et à vous tous, ma bien chère femme et mes bien chers amis. Je pardonne à tous ceux qui m'ont fait du mal ou qui ont voulu me faire du mal sauf à celui qui nous a trahis pour racheter sa peau et ceux qui nous ont vendus. Je t'embrasse bien fort ainsi que ta soeur et tous les amis qui me connaissent de loin ou de près, je vous serre tous sur mon coeur. Adieu. Ton ami, ton camarade, ton mari.

Manouchian Michel.

P.S. J'ai quinze mille francs dans la valise de la rue de Plaisance. Si tu peux les prendre, rends mes dettes et donne le reste à Armène. M.M.

Fresnes, 21. Februar 1944.

Meine liebe Mélinée, meine kleine, geliebte Waise,

In einigen Stunden werde ich nicht mehr auf dieser Welt sein. Wir werden heute nachmittag um 15 Uhr erschossen. Es erscheint mir wie ein zufälliges Ereignis, und ich glaube nicht recht daran, aber ich weiß, daß ich Dich nie wiedersehen werde.

Was kann ich Dir schreiben? Alles in mir ist zugleich verwirrt und sehr klar.

Ich hatte mich in der Befreiungsarmee engagiert und sterbe kurz vor dem Sieg, dem heißersehnten Ende unseres Kampfes. Wie glücklich werden diejenigen sein, die uns überleben und die Süße der Freiheit und des Friedens von morgen kosten werden. Ich bin sicher, daß das französische Volk und alle Freiheitskämpfer unser Andenken in Ehren halten werden. Jetzt, da ich sterbe, verkünde ich, daß ich keinen Haß gegen das deutsche Volk oder gegen sonst jemanden empfinde. Jeder wird die Strafe oder Belohnung bekommen, die er verdient hat. Das deutsche Volk und alle anderen Nationen werden nach dem Krieg, der nicht mehr lange dauern kann, in Frieden und als Brüder leben. Ich wünsche allen Glück... Ich bedaure zutiefst, daß ich Dich nicht glücklich machen konnte, ich hätte mit Dir gern ein Kind gehabt, so wie Du es immer wolltest. Ich bitte Dich, nach dem Krieg noch einmal zu heiraten und ein Kind zu bekommen, das auch mich glücklich gemacht hätte. Erfülle meinen letzten Wunsch und heirate jemanden, der Dich glücklich macht. Alles, was ich besitze, vermache ich Dir, Deiner Schwester und meinem Neffen. Nach dem Krieg mußt Du Deine Rechte als Kriegswitwe geltend machen. Du mußt eine Rente bekommen, denn ich sterbe als Soldat der regulären französischen Befreiungsarmee.

Laß meine Gedichte und die Schriften, die es wert sind gelesen zu werden, mit Hilfe von Freunden, die mir wohl gesinnt sind, drucken. Wenn möglich, bringe mein Andenken zu meinen Verwandten nach Armenien. Ich werde bald mit meinen 23 Kameraden sterben, mit dem Mut und der Heiterkeit eines Mannes, der ein ruhiges Gewissen hat, denn persönlich habe ich niemandem weh getan, und wenn ich es tat, dann ohne Haß. Heute scheint die Sonne. Während ich sie und die schöne Natur betrachte, die ich so geliebt habe, sage ich dem Leben und Euch allen Lebewohl, meine liebe Frau und meine lieben Freunde. Ich verzeihe allen, die mir weh getan haben oder die mir weh tun wollten, außer dem, der uns verraten hat, um seine Haut zu retten, und jenen, die uns verkauft haben. Ich umarme Dich, Deine Schwester und alle Freunde, die mich mehr oder weniger gut gekannt haben, ich drücke Euch alle an mein Herz. Adieu. Dein Freund, Dein Kamerad, Dein Mann.

Manouchian Michel.

P.S. 15.000 Francs liegen in einem Koffer in der Rue de la Plaisance. Wenn Du sie holen kannst, zahle damit meine Schulden und gib den Rest Armène. M.M.



Click thumbnail for full sizeAus diesem letzten Brief kann man meines Erachtens deutlich entnehmen, was für ein Mensch Manouchian war: Ein einfacher, lebensfroher Mann aus dem Arbeitermilieu, dem das Wohl seiner Frau, seines Volkes, der Armenier, und der Friede seines Landes ein Anliegen waren. Seine Passion waren die Poesie und seine hinterlassenen Werke, die er gerne gedruckt sehen wollte. Seine Aktivitäten in der kommunistischen Partei waren für ihn «nur» ein Mittel zum Zweck, um gegen die sozialen Mißstände und Diskriminierungen aufzutreten. Durch die türkische Armee, die seine Eltern getötet und ihn zur verzweifelten Flucht getrieben hatte, lernte er den Rassismus kennen. Als Arbeiter in Frankreich mußte er mitansehen, wie aus Italien und Spanien stammende faschistische Strömungen das freie Leben seiner jüdischen und armenischen Freunde und ihn selbst einschränkten und bedrohten. So kam er zu den antifaschistischen Kommunisten und machte den letzten Schritt bis zum kämpfenden Partisanen.

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